NL#220 – Gestern im WTKA – die Zuschuss-Debatte.

Das Publikum der Sitzung gestern Abend am Sandbarg im WTKA (Wirtschafts-Tourismus- Kultur-Ausschuss) bestand ausschließlich aus Betroffenen – also Menschen, die interessiert waren an Beschlüssen zu Zuschüssen und Verantwortungen die sie selbst eingebracht hatten bzw. die sie unterstützten.

Also für alle anderen Jesteburger BürgerInnen, die auf dem Laufenden bleiben wollen: hier der kurze Bericht zur Sitzung:

Zunächst stellte Hans-Heinrich Aldag anhand eines Modells das Ergebnis der Ausschreibung zur Neugestaltung der Bahnbrücke vor. Dem war bekanntlich vorausgegangen eine private Spendensammlung, aufgerundet vom Sponsor auf den Wert von 10.000 € und die Annahme der zweckgebundenen Spende durch den Verwaltungsausschuss. Die Ausschreibung, an der sich jeder beteiligen konnte (also auch lokale Künstler) wurde über die Zeitschrift Atelier und online (z.B. hier BBK) publik gemacht, einige Vorschläge gingen ein. Die kompetent besetzte Jury (Klesper/Börner/Spelten) hat sich für eine Aufteilung des Auftrags zwischen zwei jungen Künstlern, Leo Cordes und Leon Zimmermann, die sich der konzeptionellen Wand- und Fassadengestaltung verschrieben haben und dem Hamburger Fotografen Jürgen Müller entschieden. Mit der Umsetzung – mit inhaltlichem Bezug zum Bossard-Tempel – wird noch dieses Jahr begonnen. Die Bahnbrücke wird so ein markantes, einladendes Tor zu Jesteburg und soll auf den Kunst- und Kulturort neugierig machen.

Im Bericht der Verwaltung konnte Claudia von Ascheraden (Fachbereichsleiterin Finanzen & Organisation im Jesteburger Rathaus) berichten, dass

  • der Review zum diesjährigen Dorffest zu einem durchweg positiven Ergebnis kommt,
  • genauso großartig das Jubiläum des Märchenwanderwegs gelaufen sei,
  • es noch zu wenig Trauungen am Bossard gibt (nur 2 bisher in diesem Jahr) – obwohl das Ambiente doch einzigartig ist;
  • eine Absprache zwischen WTKA-Mitgliedern und der CIMA, einer Organisation, die in Jesteburg mit dem Ortskernmanagement betraut ist, dazu führt, dass die CIMA sich auf das Leerstandsmanagement fokussiert, also die nötige Mittlerrolle zwischen Vermietern und potenziellen Flächennutzern einnimmt,
  • das Anrufsammeltaxi/AST nur selten genutzt wird, nämlich im Schnitt nur 24 mal pro Monat,
  • das Heideshuttle – vermutlich wegen der Hitze im Sommer – 15% weniger als im Vorjahr bestiegen wurde und jeder 4te Fahrgast ein Fahrrad dabei hatte,
  • und der Kunstverein als Nutzer des Kunsthauses bereit wäre die Nebenkosten des – der Gemeinde gehörenden Kunsthauses zu übernehmen. Worauf der Ausschussvorsitzende Börner gleich darauf hinwies, dass wir dann aus Gründen der Gerechtigkeit und Gleichbehandlung auch von den Nutzern der anderen Jesteburger Spielstätten (das Heimathaus kann z.B. von div. Vereinen kostenfrei genutzt werden) entsprechende Beiträge eintreiben müssten; also zunächst vor der Annahme dieses Angebotes eine kulturpolitische Debatte stattfinden müsse,
  • öffentliches WLAN an der Tourismusinformation bereitgestellt wird (was bei einer nur auf 70m beschränkten Reichweite so gar nicht der ursprünglichen Intention unseres Antrags auf freien Zugang zum Netzt zumindest in der Ortsmitte entspricht – also werden wir das Thema sicher noch mal auf die Tagesordnung bringen).

Und dann wurde Christiane Kremer-Stöckl – die Vorsitzende des Bürger- und Gewerbevereins – als sachkundige Bürgerin einstimmig in den Ausschuss kooptiert. Das finden wir gut und gratulieren! – und bedanken uns, dass sich da jemand mit Engagement (und, wer sie kennt, mit einer großen Portion ausnehmend guter Laune) für den Ort einsetzt.

Dann zu den zahlreichen Zuschussanträgen bzw. Ausfallbürgschaften. Angelika Schiro (SPD) plädierte vorweg mit Blick auf die Finanzlage des Dorfes dafür zu sparen und die aufgerufenen Summen um jeweils ein Drittel zu kürzen ( lobend ist zu erwähnen, dass sowohl das Kunstnetzwerk als auch der Kunstverein in diesem Jahr keine Förderanträge gestellt haben. Sie wollten ein Zeichen der Sparsamkeit setzen).

Das wurde dann auch gleich beim ersten entsprechenden Antrag so umgesetzt: für das Dorffest gibt es 5.000 € – und den Beschluss, dass eine jährliche Durchführung, soweit es Initiatoren gibt, unbedingt erwünscht ist. Der Verein Thaleia war einziger Bewerber in dieser Sitzung und bereitet sich jetzt auf die Organisation im kommenden Jahr vor.

Zu den Anträgen des Vereins Naturbühne gab es folgende Ergebnisse: der Antrag zum Konzert einer Blaskapelle wurde zurückgezogen, für ‚Jesteburg goes country‘ gab es 1.500 €, für einen Auftritt einer Abba-look a like Band 2.400 (jeweils mit 3:1 Stimmen, die UWG war dagegen).

Auch die Neuauflage des ‚Rock für Tschernobyl‘ wird mit 1.500 € unterstützt.

Und nur das Jesteburger Podium ist ohne Kürzung durch den Ausschuss gekommen und bekommt 6.500 € („Klüngel!“ würden wir rufen, wären wir aus der miesepetrigen Dagegen-Fraktion, denn die entscheidende Stimme für das volle Budget kam ausgerechnet vom UWG-Vertreter dessen Fraktionskollegin das Podium leitet).

Ein wichtiges Thema war noch die neue kompetente Betreuung des Kunstpfad-Projekts nach dem Rückzug der bisherigen Kuratorin. Da gab es zwei Anträge, einer davon von der künstlerischen Leitung der Kunststätte Bossard,  Dr. Gudula Mayr, die gerne gemeinsam mit zwei Kunst-im-öffentlichen-Raum-Koryphäen, Dirk Möllman aus Hamburg und Bettina von Dziembowski aus Springhornhof,  die Verantwortung für das in der Jesteburger Öffentlichkeit mit Akzeptanz-Problemen belegte Großprojekt übernehmen möchte (Hut ab!) Der Antrag aus der CDU-Fraktion wurde von Heidi Seekamp erläutert. In den Fraktionen soll über beide Anträge zunächst beraten werden.

Dr. Mayr (re.) – hier im Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten Stadler und Lotze anlässlich eines Besuchs im Bossard-Tempel.

Im Zuge der Beratung wurde übrigens auch eine wertmäßige Bilanz vorgelegt, die den Ausschussmitgliedern aufzeigte, dass von den bisherigen ca. 40.000 € Ausgaben für den Kunstpfad etwa 25.000 € über Zuschüsse, etwa des Lüneburgerischen Landschaftsverbands,  gegenfinanziert waren. Allerdings droht eine teilweise Rückzahlung von Fördermitteln, sollte das Projekt nicht fortgesetzt werden.

Und dann wurde noch diskutiert, ob die Tourist-Information von der Verantwortung – und dem Einfluss – der Gemeinde Jesteburg auf die Samtgemeindeebene wechseln soll. Das wäre sinnvoll, wenn Bendestorf und Harmstorf an dem Thema mitarbeiten würden – wollen diese Orte aber nicht. So sind die Ausschussmitglieder gestern dem salomonischen Vorschlag der Grünen gefolgt und haben die bereits existierende Arbeitsgruppe, die bereits ein grundlegendes Konzept zur Entwicklung der TI vorgelegt hatte,  mit dem Auftrag betraut sich weitere konkretisierende Gedanken zu machen, wie die richtige ‚Arbeit am Gast‘ in Zukunft aussehen soll.

Es war ein langer Abend, erst um 23:20h (Beginn war 19h) fanden die Ausschussmitglieder ein Ende. Über Kunst und Kultur lässt sich eben lang debattieren. Das muss auch so sein.

 

Hinweis: Bild art-culture-value (c) https://louisbarabbas.com


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