NL#224 – Bossard war eben ein Bossard!

Am Sonntag, 2. Dezember war es soweit: Die Kunststätte Bossard eröffnete die Ausstellung „Über dem Abgrund des Nichts“ – die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus. Vorausgegangen waren Monate, wenn nicht Jahre intensiver Forschung in allen zur Verfügung stehenden Quellen und in allen nur denkbaren Archiven.

Die ungewöhnliche Form der Vernissage hing mit dem Thema zusammen. Namhafte Experten, aus Köln, Chemnitz und Hamburg referierten und diskutierten mit einem interessierten Publikum einen ganzen Tag lang über Weltanschauung, und das künstlerische Schaffen von Johann und Jutta Bossard.

Die Kunststätte fasst das Ergebnis so zusammen:

„Fest steht nun, dass Johann Bossard zwar nie Mitglied der NSDAP war, dass er aber zwischen 1932 und Mitte 1934 mit einzelnen Inhalten der NS-Ideologie sympathisierte. In dieser Zeit versuchte er, mit Unterstützung seiner Förderer, Funktionäre der NSDAP für sein Gesamtkunstwerk zu begeistern. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Nach dem missglückten Besuch Alfred Rosenbergs und der Mordwelle vom Sommer 1934 (‚Röhm-Putsch‘) brach Bossard im September 1934 die Phase der vorsichtigen Fühlungnahme zu den neuen Machthabern abrupt ab. In der Folge verhielten sich die Bossards unauffällig und bewegten sich in vorsichtiger Distanz zum NS-Regime.“

Ein Aufatmen aller Versammelten war am Sonntag spürbar. Hatten doch alle Verantwortlichen vom Stiftungsrat, insbesondere Landrat Rainer Rempe und Bürgermeister Udo Heitmann, immer wieder darauf gedrungen, dass endlich das leidige Kapitel „Bossard in der NS-Zeit“ durch seriöse und umfassende Forschung abgeschlossen werden kann. Nicht auszudenken, was ein negatives Forschungsergebnis für die Kunststätte bedeutet hätte.

Bis zum Mai ist die Sonderausstellung „Über den Abgrund des Nichts“ in der Kunststätte zu sehen. Der Katalog erscheint Ende des Jahres. Jetzt schon sind Texte aus dem Nachlass von Johann Bossard erschienen, die Aufschluss geben und belegen, wie das Schaffen von Johann Bossard einzuschätzen ist und war.

War  Bossard Nazi? – Diese direkte Frage nahm Frank Lothar von der Universität Chemnitz in seinem Schlussvortrag „Alles in allem ist die Politik doch ein leidiges Kapitel“ auf und antwortete ebenso deutlich und endgültig: „Bossard war kein Nazi – aber auch kein Widerstandskämpfer. Bossard war eben ein Bossard.“

Bleibt zu wünschen, dass die Kunststätte Bossard, befreit von einem bisher nicht ausgeräumten Verdacht, nun noch erfolgreicher wirken kann.

(Bilder (c) Bossard Kunststätte)



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