NL#217 – Gestern im Bauausschuss (vor allem Itzenbüttel-Projekte)

Ein „Sahnestück“ unseres Dorfes, sagt Bürgermeister Udo Heitmann. Gemeint ist das Grundstück des Reitvereins, und um dessen Nutzung drehte sich gestern im nichtöffentlichen Teil der Bauausschusssitzung.

Aktuell genutzt wird das Gelände, wie der Name sagt, vom Reitverein. Der will da weg (die Pacht läuft aus), soll auf eine neue Fläche, die aber auf Asendorfer Grund liegt – deswegen muss die Gemeinde Hanstedt dafür ihre Planvorgaben verändern. Hat sie noch nicht getan. Der Reitverein ist also noch da.

Zukünftig genutzt werden könnte das Gelände für eine gemischte Wohn- und Gewerbebebauung, dazu gab es bereits einen konkretisierenden Vorschlag. Allerdings wollen wir zeitlichen Druck ohne Not vermeiden und ganz bestimmt auch nicht uns selbst Chancen verbauen.

Und deswegen haben wir uns gestern dazu verständigt (nicht-öffentlich, da es um ein konkretes Kaufangebot ging), das Thema erstmal  nicht weiter zu behandeln, bis alle Punkte geklärt sind, die noch geklärt werden wollen.

Das Thema mit den Chancen bezieht sich v.a. auf den wahrscheinlich notwendigen Schulneubau (wird heute im JSSS (Jugend-, Schul- Sozialausschuss der Samtgemeinde)) besprochen. WENN wir neu bauen, dann ist die ideale Fläche dafür: das Grundstück, das aktuell der Reitverein belegt. Warum sollten wir das dann heute verkaufen, wenn wir es morgen (teilweise) selbst bebauen wollen?

Und dann ging es vorwiegend um Itzenbüttel, Gäste von dort waren reichlich da und hatten auch ihre Meinungen mitgebracht zu den umfassenden Erweiterungsplänen von Hof Und Gut. Architekt Axel Brauer stellte das Projekt im Ausschuss vor, es geht um

  • Die Errichtung eines Veranstaltungsraums anstelle des baufälligen Schuppens gegenüber des heutigen Restaurants
  • Den Neubau eines Hotels mit 70 Zimmern, einer Fleischerei als Torbau und eines mehrere 100 qm großen Hofladens – alles arrondiert um eine Piazza
  • Die Verlegung des Anfangsteils des Totenwegs (der hier zur Verwunderung aller ‚in der Brede‘ heißt).

Die Planungen (sollen Zug um Zug in den nächsten Jahren umgesetzt werden) für sich allein gesehen sind überzeugend. Aber – und das war an den zum Teil sehr emotionalen Redebeiträgen der ItzenbüttlerInnen deutlich spürbar – es gibt zu Recht auch Bedenken, die abgewogen werden wollen. Zum einen steht die Frage im Raum, inwiefern die Balance des Ortes Itzenbüttel nach der Umsetzung eines solchen Projekts noch stimmig ist. Unter welchen Umständen eine gute Nachbarschaft zwischen dem neuen Veranstaltungsraum und den Anliegern hergestellt werden kann und vor allem: was das für den Verkehr nach und durch Itzenbüttel bedeutet.

Auf der anderen Seite steht das attraktive Ensemble als solches und der Nutzen eines modernen Hotels für Jesteburg.

so könnte das Hotel aussehen (c) Brauer Arc.

Unser Standpunkt: nur in einem geordneten B-Plan-Verfahren werden die Einwände und Bedenken der betroffenen Anwohner ausreichend gewürdigt; nur durch ein offizielles Verkehrsgutachten im Rahmen eines solchen Verfahrens lässt sich aufzeigen, welche Maßnahmen in diesem Zusammenhang notwendig sind. Die beiden SPD-Vertreter im Ausschuss haben für den Einstieg in ein Bebauungsplan-Verfahren argumentiert, diese Empfehlung ging dann mit 3:2 (SPD und CDU dafür, Grüne und UWG dagegen) Stimmen als Empfehlung an den Verwaltungsausschuss. Und was wir uns wünschen: dass die Klärung offener Fragen im Zuge eines solchen Verfahrens auch durch einen partnerschaftlichen Dialog zwischen den Itzenbüttler Hofstellen und gute nachbarschaftliche Regelungen vor Ort unterstützt werden.

Auch positiv beschieden (auch mit 3:2 Stimmen) haben wir die wieder auf dem Tisch liegende Entscheidung zur Verschiebung der nördlichen Baugrenze für das Projekt des Jappens-Hofs. Ausführlich ihre Gegenposition begründet haben die Grünen und die UWG. Wir wollen Klarheit schaffen für die Planungen („wenn ich nicht weiß, welche Fläche ich beplanen soll, dann kann ich auch nicht planen“, so zutreffend Bauausschuss-Mitglied Cornelia Ziegert), dazu ist heute ein großer Schritt getan worden. Und, auch ein starkes Argument: bei der jetzt empfohlenen Lage der Baugrenze haben wir größere Chancen alten Baumbestand auf dem Grundstück zu erhalten. Von Thomas Burmester vom Bauamt kam noch der Hinweis auf die wirkmächtigen Stellschrauben, die wir im B-Plan haben werden, zum Bsp. zu Mindest- und Maximalgrößen der Baukörper und Anzahl der Häuser generell.

Und dann gab es noch einen Antrag für ein Neubaugebiet in Lüllau, das allerdings, wie in der Bürgefragestunde (ist ja manchmal mehr so eine Statement-Runde) schillernd illustriert wurde, ein – sowieso im Außengebiet liegender – schützenswerter Zugang für die Lehmkuhlen im angrenzenden Wald ist, eine nasse Wiese nahe an einem Quellgebiet. Hier war der Vorschlag des Antragstellers, dass die Genehmigung über ein gerade recht neu eingeführtes beschleunigtes Verfahren erfolgen soll. Das im Bund geregelte Verfahren selbst (§ 13b Baugesetzbuch) ist eigentlich ein Wahlgeschenk der CSU für ihre bäuerliche Gefolgschaft und verzichtet auf die frühzeitige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Die obligatorische Umweltprüfung kann ebenso entfallen wie Ausgleichsmaßnahmen. Finden wir nicht gut, deswegen haben wir den Antrag zurückgestellt (3 Ja, 2 Enthaltungen) – da passiert also erstmal nichts.

Kurz vor 21:00h war Schluss. Viele Gespräche zu den umstrittenen Punkten gingen vor der Tür und auf dem Nachhauseweg noch weiter.


2 Kommentare on “NL#217 – Gestern im Bauausschuss (vor allem Itzenbüttel-Projekte)”

  1. Jürgn Barthel sagt:

    Ach Gott, die Interregnums-Fragestunde hat es doch mehr als deutlich gemacht. Für ein 70-Zimmer-Wellness-Hotel mit Veranstaltungs- und Wellnesszentren gibt es in Itzenbüttel nicht ansatzweise eine Akzeptanz. Tenor: viel zu überdimensioniert + Verkehr …. für ein so kleines Dorf. Und zum Procedere: im Grünen Jäger wurde tatsächlich nur von 12 Zimmern gesprochen, das haben diverse Mitbürger auch so bestätigt, und jetzt plötzlich 70! Es ist wie mit der Erweiterung bei Böttger. Warum macht der Gemeinderat so eine – doch sinnvolle – Veranstaltung, wenn ihn das gemeinsame Ergebnis nicht kümmert. Dass Jesteburg so klamm ist, wenn es hier 1000e € sinnlos ausgeben kann (billig war die Geschichte ganz gewiss nicht mit externer Moderation und so), kann m i r zukünftig keiner mehr erzählen.

    Man fühlte sich wirklich nur für dumm verkauft. Auch der betriebswirtschaftliche Unsinn, unter 70 Zimmern würde sich derlei nicht rechnen, geht an der Realität 1000er kleiner Hotels einfach vorbei. Aber behaupten kann man ja vieles. Si hätten mal die Kommentare zur SPD (bei der CDU erwartet man nichts anderes) nach der Veranstaltung und in den letzten paar Tagen hören sollen.

    Mit – gar nicht – freundlichen Grüßen

    Jürgen Barthel

  2. Hans-Rudolf Grabbe sagt:

    Wenn schon Hotel: In der Gemeinde sollte alles darauf ausgerichtet werden, das Hotel Niedersachsen zu neuem Leben zu führen.
    In der Mitte von Itzenbüttel würde ein Verkehrschaos entstehen. Und noch etwas: Ständig
    wird aus der Politik der dörfliche Charakter betont, den es zu erhalten geht. Ist das nun ernst gemeint oder doch nur ein Sonntagsspruch:

    Hans-Rudolf Grabbe