NL#204 – Bestäuber und Zersetzer (Insekten sterben.)

Weltweit sterben täglich 130 Arten aus. Wer auch immer sowas nachzählt, aber Fakt ist: wir reduzieren uns. Unsere Vielfalt. Und damit unsere Grundlage. Schleichend – aber durchaus konsequent. Sterben die Bienen, dann verschwinden auch die Pflanzen, die auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen sind, dann verkleinern sich die Vogelpopulationen, die von Insekten leben, dann wird die Natur in Gänze krank.

Und schuld ist …. – also: wir alle sind es. Unsere Lebensgewohnheiten sind in Teilen selbstmörderisch – mindestens bringen wir nächste Generationen gedankenlos in größte Schwierigkeiten, weil wir das zulassen, was gerade passiert:

  • Durch Monokultur, Vermaisung der landwirtschaftlichen Anbauflächen und zunehmenden Verzicht auf Blühstreifen und die Verödung von Grünflächen in unseren Orten entziehen wir einer großen Zahl an Lebewesen ihren natürlichen Lebensraum.
  • Durch die Zulassung von Breitband-Pestiziden wie Glyphosat (eigentlich: ein Rohrreiniger!) verteilen wir das Gift so, dass wir es am Ende selbst schlucken – und die Bayer/Monsanto-Lobbyisten halten uns den Löffel.
  • Eingeschleppte Schädlinge, Überzüchtung und er Klimawandel tun ihr Übriges.

Schwarzmalerei? – Es geht hier nicht um die vielleicht subjektiv bewerteten Nebenwirkungen starker Gifte, es geht um deren explizite Zielwirkung, also den Zweck, den diese Mittel verfolgen: diese Herbizide, werden sie eingesetzt, zerstören die pflanzliche und damit auch die tierische Vielfalt in unserer Umgebung.

Im einleitenden Referat berichtete Jan Meyer aus Itzenbüttel uns gestern lebhaft und anschaulich, welchen besonderen Herausforderungen sich ein Ökobauer stellen muss. Wer wusste schon, dass man für ein Bio-Suppenhuhn von der verarbeitenden Industrie nur 75 ct. / Stück angeboten bekommt? Jan Meyer hat 2.900 Legehennen, biologische Weihnachtsbäume, Kartoffeln und baut das Futter für seine Tiere inzwischen selbst an. Seine Maßgabe: erst überlegen, was man vermarkten kann, dann umsetzen. Seinen ökologischen Ansatz beschreibt er als „biologischen Anbau wie bei seinem Großvater“, die Landwirtschaft ist weniger intensiv, das führt – z.B. bei seinen Kartoffeln – zu weniger Pflanzen auf gleicher Fläche – aber auch einem reduzierten Krankheitsdruck einerseits und halbiertem Ertrag andererseits. Er ist mit ganzem Herzen dabei, das merkt man auch seinen Appellen an die Zuhörer an, die, wenn es nach ihm geht, vor allem ihre Haltung als Konsumenten überdenken sollen. Wir werden uns bei der Lektüre des nächsten ALDI-Prospekts daran erinnern!

Zum Insektenleben und -sterben haben wir viel durch den anschließenden Vortrag von Sabine Wolansky erfahren, gebannt haben wir mitverfolgt, wie diese hervorragende Referentin zunächst mit viel Faszination über das spricht, was die kleinen Hautflügler leisten. Und es wird klar: Respekt und Anerkennung verdienen diese Dienstleister an unserer Natur, genauso wie im Übrigen auch die Kleintiere und Makroorganismen, die dafür sorgen, dass die heimatliche Krume als biologisch wertvolle Basis erhalten bleibt. Und auch diese Zersetzer werden durch Glyphosat & Co. Abgetötet und sie verschwinden – und übrig bleibt die cleane, sandige Decke auf aufgeräumten Maisfeldern.

Unsere Einstellung zu diesem Thema muss sich verändern! Die große Politik ist hier gefragt, um den Lobbyismus der einseitig interessierten Industrie einzudämmen, das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) auf neue, unabhängige Beine zu stellen und den Einsatz von Breitband-Herbiziden zu ächten (und die im Alleingang diese Mittel genehmigenden Minister gleich mit).

Schließlich hat Kornelia Petersen, Biologie-Lehrerin an der Jesteburger Oberschule, noch berichtet, wie sie solche Themen im Gespräch mit den Kindern umsetzt und welchen Schwierigkeiten sie sich ausgesetzt sieht – weil z.B. die zuständige Behörde im Landkreis untersagt, dass auf dem Schulgelände Obstbäume angepflanzt werden – das haben wir zu hinterfragen (eine der Aufgaben, die für uns aus dem gestrigen Abend entstanden ist).

Jeder selbst kann etwas tun. „Pflanzt Wildblumen (heimische!) in Euren Gärten, vermeidet Gifteinsatz auf dem eigenen Grund, nutzt Eure Macht als Konsument!“ – diesen Ansagen von Sabine Wolansky an ihre Zuhörer schließen wir uns gerne an – und  bleiben unbedingt an diesem wichtigen Thema dran!



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