NL#199 – Gestern im Bauausschuss (Itzenbüttel, Wiedenhof, Sandbarg)

Große Agenda gestern im Bauausschuss. Eigentlich eine kurze Tagesordnung, aber die wenigen TOP’s hatten es in sich. Und in Wiedenhof und Itzenbüttel ging es im Prinzip um’s gleiche Thema, das unsere Dörfer verändern wird.

Es ging um die Vorentscheidung (endgültig entschieden wird dann in Kürze im Gemeinderat) zur Umgestaltung großer landwirtschaftlicher Anwesen in Wohnraum. Wobei in Wiedenhof der Baukörper erhalten und modernisiert wird, in Itzenbüttel auf dem Jappens Hof (Böttcher) Neubaufläche in größerem Umfang geschaffen werden soll – und auch bei den anderen ortsbildprägenden Höfen drohen in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen zur Umnutzung und (teilweisen) Aussiedlung. Ein Masterplan wird aufgestellt, um für die Entwicklung passende Leitplanken zu beschreiben.

Publikum war da, wie sich zeigte, im Wesentlichen aus Itzenbüttel. In der Bürgerfragestunde machte sich der Ex-Ratskollege Christoph Heitmann zum Sprecher der Dorfbürger und beklagte, dass die umfassenden jetzt vorliegenden  Visionen zur Erweiterung von Hof&Gut nicht schon beim Bürgerdialog vorgestellt worden waren, sondern quasi jetzt „im Nachhinein auf den Tisch“ kommen.

Im Bericht der Verwaltung informierte uns der stellvertretende Gemeindedirektor Thomas Burmester dazu:

  • dass das Thema ‚ Famila‘ erst wieder im April auf der Tagesordnung steht, da über 200 Seiten Abwägung zu bearbeiten sind,
  • dass die Telekom die Mobilfunkangebote in Lüllau, Reindorf und Itzenbüttel verbessern will und gerade Standorte für Ihre Sendemasten sucht.

Und dann ab in die Themen:

Die ehemalige Schule am Sandbarg ist in den letzten Jahren erfolgreich umgenutzt worden: hier ist u.a. die Seniorenbegegnungsstätte, Bernatzkis Tagespflegeeinrichtung ‚Ole School‘, das Schauarchiv von Bossard. Nun soll über eine B-Plan-Änderung die Nutzung neu und zutreffend definiert werden („Gemeinbedarfsfläche für kulturelle, soziale und sportliche Zwecke“), außerdem sollte die Parkplatzsituation neu geregelt – und dabei mehr Stellfläche geschaffen werden. Es soll Optionen für eine spätere Erweiterung des Neuen Rathauses geben, zusätzlich werden die Voraussetzungen für die Umnutzung des ehemaligen Hausmeistergebäudes getroffen.

Im Bild sieht das dann so aus (gelb: die Flächen, die für Parkraum vorgesehen sind). Zielsetzung ist u.a. auch eine Entlastung der Fläche vor dem Heimathaus, wo heute die Autos eigentlich unzulässig abgestellt werden – dadurch wird der Boden verdichtet, was wiederum die Wurzeln der dort vorhandenen und wahrlich ortsbildprägenden Bäumen beschädigt.

Der Planer des Büros WRS erläuterte gestern im Ausschuss Zielsetzungen und Umsetzung im Detail. Die Ausschussmitglieder (Britta Witte (CDU) als Ausschuss-Vorsitzende, T. Pansegrau (UWG), Kalle Glaeser (Gruene), Cornelia Ziegert und Steffen Burmeister (beide SPD)) konnten sich einstimmig und ohne größere Diskussion (wir behandeln das Thema schließlich schon seit 2016) dem Beschlussvorschlag der Verwaltung anschließen und empfehlen dem Gemeinderat eine Zustimmung zur Änderung des B-Plans.

Bereits seit 2015 haben wir den Wunsch nach einer Umwandlung des Hofs ‚Kröger‘ in Wiedenhof auf dem Tisch. Da hatten wir auch gewünschten Änderungen bereits zugestimmt, sind aber dann auf Bedenken der Denkmalschutzbehörde des Landkreises getroffen, was eine erneute Überarbeitung der Pläne zur Folge hatte: die überbaubare Fläche im Garten wurde begrenzt und die Anzahl der maximal möglichen Wohneinheiten definiert. Andererseits führt die Streichung weiterer bisher bestehender Restriktionen jedoch zu größerer planerischer Freiheit des Bauherren.

Was wird hier jetzt konkret passieren? – Um das denkmalgeschützte Haus in der Lüllauer Dorfstrasse 112 wieder zu beleben (es steht derzeit leer) werden hier insgesamt 15 Wohn- und Büroräume geschaffen. Alle Themen, die bei der Umgestaltung zu berücksichtigen sind, werden in der B-Plan-Satzungsbegründung ausführlich dargelegt, auch der Umzug der im Dachboden wohnenden Fledermäuse in ein „Artenschutzhotel“ (eine Art großdimensioniertes Vogelhäuschen) ist berücksichtigt. Und „der Dachbodenraum des Haupthauses muss auf mindestens 10 Metern Länge im Nordosten erhalten und durch das vorhandene Giebelloch weiter zugänglich bleiben. Um die Attraktivität für die Schleiereule zu erhöhen und damit einen Wegfall der Fortpflanzungs- und Ruhestätte zu vermeiden, ist in den verbleibenden Spitzboden ein Schleiereulen-Nistkasten einzubringen“ – so der B-Plan.

Die Bilder des Planungsbüros Mehring (Frau Wübbenhorst präsentierte) zeigen das 1826 errichtete Haupthaus und seine Nebengebäude.

Auch die Grünen – die wegen aus ihrer Sicht zu vielen Wohneinheiten das Projekt bisher abgelehnt hatten – sind jetzt dafür – stellt Kalle Glaeser fest. Und der Landkreis ist „fast zufrieden“ – wie die Planerin anmerkte. Jetzt geht das Thema zur finalen Entscheidung in den Verwaltungsausschuss. Es ist damit zu rechnen (nachdem heute einstimmig verabschiedet wurde), dass dann auch die Baugenehmigung beantragt werden kann.

Zwei weitere Tagesordnungspunkte betreffen die Veränderung in Itzenbüttel. Hier gibt es, wie gesagt, gleich vier Hofstellen, die früher oder später Umgestaltungspläne haben, die zum Teil massiv in die dörfliche Struktur eingreifen. Die Veränderungswünsche wurden in einem extern moderierten Verfahren gesammelt und harmonisiert und in einen Masterplan mit geplant 15-jähriger Gültigkeit gegossen, der gestern im Bauausschuss zur Würdigung und Abstimmung vorlag. Zum Verständnis: der Masterplan selbst ist unverbindlich und hat nur Empfehlungscharakter; aus dem Masterplan werden dann Stück für Stück die verbindlichen B-Pläne (oder F-Planerweiterungen) abgeleitet.

Die Umsetzung dieses Masterplans wird Itzenbüttel deutlich verändern. Deswegen war die Diskussion dazu auch, sagen wir: ‚angeregter‘ als zum B-Plan von Wiedenhof.

Es geht unterm Strich um einen erheblichen Bevölkerungszuwachs (heute hat das Dorf Itzenbüttel 190 Einwohner) in Folge der gewünschten Aussiedlung der Hofstelle ‚Jappens Hof‘ (Böttcher) und zusätzlich gewünschter Baufläche auf dem Grund von ‚Zeckers Hof‘ (Heitmann) und ‚Minkenhof‘ (Meyer). – insgesamt entscheiden wir hier zu 39 neuen Wohneinheiten; davon sind 20 Einheiten relativ kurzfristig geplant. Und das sieht dann vielleicht so aus (der Plan ist illustrativ – die Grundstücke werden sicher am Ende anders zugeschnitten sein):

Eine Mehrheit des Ausschusses (SPD+CDU) konnte sich für die Vorplanung auf dem jetzigen Grund des Jappens-Hof entscheiden – inklusive der Erweiterung der Baugrenze. Unter anderem war dafür auch ausschlaggebend, dass durch die Erweiterung der größeren Grundfläche der Investor die Grundstücke unter größtmöglicher Beibehaltung des Baumbestands flexibler positionieren kann. Cornelia Ziegert schlug ergänzend vor, dass bei einer konkreten B-Planung ein Grünstreifen zur offenen Landschaft klar aufzeigt, dass eine weitere Entwicklung an dieser Stelle nicht beabsichtigt ist. Entschieden wurde auch, dass maximal 20 Wohneinheiten hier realisiert werden können, und dass das Büro Mehring (Lüneburg) mit der konkreten Planung beauftragt wird.

Zusätzlich gibt es dann noch Erweiterungswünsche von Hof&Gut: hier soll ein Hotel und ein Spa errichtet werden, außerdem ein Hofladen anstelle des alten Kühlhauses. Auch dazu ein Bild der Vision. Obwohl schon klar ist, dass so keinesfalls umgesetzt werden kann – notwendiger Waldabstand und die Pflicht neben denkmalgeschützten Gebäuden (Restaurant) Neubauten „untergeordnet“ zu gestalten sprechen u.a. dagegen – haben wir die Pläne grundsätzlich diskutiert.

Zu Hof&Gut haben wir festgestellt, dass hier heute auf der Basis einer Vision schwer Entscheidungen zu treffen sind. Entschieden haben wir dann, dass die Planungen, die zur Zeit der letzten Bürgerinformation kommuniziert waren Bestandteil des Masterplans bleiben. Da waren Ausweitungsflächen im Bereich des geplanten Hofladens noch nicht berücksichtigt.

Und dann gab es als kleinen Aufreger kurz vor Ende noch die Vorlage zur Renovierung des Kunsthauses. Für 60-70.000 € könnten wir hier Fenster und Belüftung des Gebäudes modernisieren bzw. reparieren. Und da eine Entscheidung dazu auch abhängt von der – langfristigen –  Nutzung des Gebäudes und keinee terminliche Not anstand haben wir die bauliche Entscheidung dazu vertagt und den inhaltlich zuständigen Ausschuss (WTKA) gebeten, nach der anstehenden Mitgliederversammlung des Kunstvereins zur Perspektive des Kunsthauses an und für sich zu diskutieren.

Schließlich waren noch Befreiungsanträge abzustimmen. Und um halb zehn war Schluss.

[Bilder: Sandbarg (c) WRS; Wiedenhof, Itzenbüttel (c) Mehring; Itzenbüttel (Plan 18. JH) (c) lgn; Hof & Gut (c) Brauer Architekten]


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