NL#195 – Ist das schon Journalismus?

Unter der Überschrift „Ist das schon Klüngel?“ kann man diese Woche im Wochenblatt zur mehrheitlichen Entscheidung des Gemeinderats lesen, den Verein Naturbühne auf eine Stufe mit den anderen Aktiven in Jesteburg zu stellen und von Kosten für den Veranstaltungsort freizuhalten.

Es ist gut, wenn sich die Presse kümmert, und wie im guten Journalismus üblich, werden auch alle Seiten angehört und unterschiedliche Standpunkte erläutert und natürlich macht sich der Journalist auch nicht gemein mit dem Standpunkt nur einer Perspektive. Und natürlich ist das Wochenblatt völlig unbelastet davon, dass der Antrag vom Ratsmitglied Hans-Jürgen Börner eingebracht wurde, gegen den das Wochenblatt in den letzten Jahren in mehreren Runden Gerichtsverfahren verloren hat und zu Strafzahlungen im 5-stelligen Bereich verpflichtet wurde. Das alles spielt bei der sachlichen Betrachtung also keine Rolle und so wird objektiv zum Thema berichtet und Sie können alles glauben, was Sie da lesen und sich von der suggestiven Überschriftsfrage zu Ihrer Haltung gegenüber den unverantwortlichen Entscheidungen der Ratsmitglieder (aller! außer Robin Hood) treiben lassen und sich zusammen mit dem Schrader Schreiber erregen. Ach tut das gut. Knüppel aus dem Sack.

Naja. Tatsächlich verhält es sich natürlich anders, weil wir sind – ehrlicherweise – nicht alle doof, falls Sie erstmal so einen simplen Argumentationsanfang akzeptieren. Die Geschichte ist nämlich so:

Menschen werden initiativ im Dorf und gründen einen Verein. Der Verein hat Gutes vor: er möchte Konzerte veranstalten (die Initialzündung war eine musikbegleitete  Jubiläumsveranstaltung des Tennisclubs) und dazu eine feste Bühne bauen. Der Gemeinderat findet das gut und stimmt für einen Kredit in der Größenordnung von 60.000 EUR (das war 2012), ob die Rückzahlbarkeit realistisch ist, wird bereits zu diesem Zeitpunkt diskutiert. Wir ziehen in den folgenden Diskussionen den Vergleich mit anderen Vereinen – wie sieht es da aus? – Andere Vereine nutzen Veranstaltungsräume unentgeltlich: der Heimatverein (Hausherr im Heimathaus), das Podium, der Kunstverein, … – Räume, in die die Gemeinde / die Steuerzahler investiert haben. Diese kostenfreie Nutzung erst macht das lebendige Vereinsleben in unserem Ort möglich. Und diese kostenfreie Nutzung haben wir jetzt auch faktisch für die Naturbühne hergestellt: für alle möglichen Nutzer (soweit sie in Jesteburger Vereinen organisiert sind) – natürlich auch für den Verein Naturbühne selbst.

Gerne hören wir von Ihnen: wie ist Ihre Meinung dazu?

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