NL#180 – Börners Kommentar: Kunst im öffentlichen Raum

Als ich die Schlagzeile am Mittwoch, den 31. Mai, im Nordheide-Wochenblatt auf Seite 1 sah, dachte ich im ersten Moment: „Mein Gott, jetzt auch Terror in Jesteburg. Weiß der Innenminister schon Bescheid, kommt das in der Tagesschau, wer bekennt sich zu dem Anschlag?“

Sekunden später ein anderer Gedanke: Glückwunsch Isa, wer hat was für diese Super-Reklame bezahlt? – Denn mehr geht nun wirklich nicht, als ein zeitgenössisches Kunstprojekt, ein Teil des in Arbeit befindlichen Jesteburger Kunstpfades, mit einem solchen Paukenschlag zu promoten.

„Kuratorin Isa Maschewski verschandelt schicke Wohnstraße über Nacht zum Schandfleck“

Die Unterzeile im Wochenblatt. Dann kommt leider das wenig Originelle. Meister „mum“, Lohnschreiber von Martin Schraders Gnaden, dichtet nach üblicher Dramaturgie: Getrübt von wenig Sachverstand, werden Vorurteile und andere Nickeligkeiten für einen Verriss zusammengekratzt. Es kommen natürlich nur Kritiker eines nicht fertigen Kunstwerks zu Wort.

Breite Unterstützung erhält „mum“ von der UWG-Jes! – oder ist es umgekehrt? Chef Hans-Jörg Siede sieht Gefahren, wo noch keine sind. Die Gemeinde habe ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern vernachlässigt, so Siede. Und derlei aufgeblasene Vorwürfe mehr. Siede und „mum“ waren offenbar noch niemals in New York und anderswo, wo Straßenmalerei ein Element des kulturellen Lebens und eine Verbesserung von Wohnqualität bedeuten. Internationale Studien haben nachgewiesen, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit bei bemalten Straßenabschnitten drosseln.

Sei´s drum. Die UWG-jes! wird am Ball bleiben, „mum“ wird das weiterhin unterstützen. Nimmt man die jüngsten Rats-Anträge der UWG zu Kunst und Kultur zum Maßstab, gibt es noch viel zu tun auf dem Weg zur strikten Regionalisierung der Kultur-Förderung, der bürokratischen Gängelung von Künstlern, der Beschränkung der Freiheit der Kunst, der Einrichtung neuer Feuer-Brauchtumstage, und schließlich bei der Kontrolle von Denkmalschutz an der Lisa-Kate.

Wenn Sie, liebe Leser etwas stört, ein Mülleimer im Wege steht, eine Regenrinnen-Brett  nicht sachgerecht gestrichen, ein Schaukasten zu groß oder zu klein ist – wenden Sie sich vertrauensvoll an die UWG-jes!. Dort wird sich gekümmert und kontrolliert. Denn dort sind die Richtigen, die unser Dorf in jeder Hinsicht sauber halten wollen.

Wenn sie allerdings Besseres vorhaben, besuchen sie das Strassenkunstwerk der Künstlerin Monika Michalko, die im Auftrag der Gemeinde Jesteburg mit ihren Helfern Erstaunliches vollbracht hat.

Mit besten Grüßen

Hans-Jürgen Börner

mail@hj-boerner.de



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