NL#166 – Harter Job: Einzelhandel in Jesteburg.

raeumungsverkaufWas entwickelt sich denn da? Wieder macht ein Laden zu. Letztes Mal haben wir bedauert, dass das Papierhaus seine Türen schließt. Diesmal trifft es Kerstin/Kiki Sauermanns ‚Vintage & mehr‘. Ein bunter Laden, der das Bild des freundlichen Jesteburgs in den letzten Jahren mit geprägt hat, wenn bei gutem Wetter die Ladeninhaberin oder Kunden  in der Sonne vor der Tür saßen;

eine gute Stelle, um ins Gespräch zu kommen – und das haben viel auch so genutzt. Wer nochmal nachsehen will, was uns demnächst fehlen wird: hamburgs-lieblinge.

vintage & Co. (c) hamburgs-lieblinge.de

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Einzelhandel in einem Straßendorf mit wenigen ausgeprägten 1-A-Lagen und per Definition in erheblichem Umfang abfließender Kaufkraft (die entscheidende Kennzahl ist die ‚Einzelhandelszentralität‘, die in Jesteburg bei nur 42% liegt – d.h., fast 60% der vorhandenen Kaufkraft im Bereich des Einzelhandels fließt aus Jesteburg ab – fast alle andere Orte im Landkreis sehen da besser aus: in Seevetal sind das z.B. nur gut 40%, in Hanstedt immerhin nur knapp 50%*) ist per se ein schwieriges Unterfangen. Trotzdem Jesteburg als Samtgemeinde zur Spitzengruppe im Bereich der Kaufkraft in Niedersachsen gehört – Platz 4 mit fast 6.800 € bei einem in Niedersachsen durchschnittlichen Wert von etwa 5.650 € **.

Erfolgreicher Einzelhandel in Jesteburg trägt mit seinen Gewerbesteuern zum Spielraum unseres Haushalts bei; u.a. aus diesen Einnahmen werden die freiwilligen Leistungen finanziert: unser Schwimmbad, die Bücherei, Zuschüsse, die unsere Vereine aktionsfähig halten. – Wir brauchen alle den Erfolg – wir müssen alle einem Niedergang des örtlichen Einzelhandels entgegenwirken: ein Herzstück unserer Gemeinden sind die lokalen, inhabergeführten Geschäfte mit ihrer persönlichen Note. Diese Geschäfte und ihre  Inhaber machen das Ortsbild besonders; wir müssen daran arbeiten, dass die Kaufkraft vor Ort nachhaltig gebunden wird. Damit unser Einzelhandel zukunftsfähig ist.

Mit welchen Maßnahmen kann der Trend gedreht werden? Zu diskutieren sind folgende Punkte:

  • Wir müssen über die optimale Infrastruktur für unsere Handelslandschaft sprechen, und dazu gehören v.a. auch Fußgängerüberwege und Parkplätze an der richtigen Stelle.
  • Wir sollten uns Gedanken machen, welche Zielgruppen hier vor Ort nicht (mehr) angesprochen werden und wo wir mit Unternehmern konkrete Ansiedlungsgespräche führen sollten.
  • Wir haben darüber nachzudenken, wie für unsere Samtgemeinde eine homogene Angebotspräsentation online aussehen kann (auch das gehört zur Infrastruktur!) und wie wir ein solches Projekt politisch und wirtschaftlich unterstützen können.
  • Wir sind insbesondere auch in der Pflicht zu handeln gegen den mutwilligen Leerstand in unseren Ortschaften – zum Bsp. im Falle des ehemaligen Woesthaus-Ladens und des ehemaligen Elektroladens schräg gegenüber.

Ein gutes lokales Angebot kann dann noch sinnvollerweise durch einen effizienten Bringdienst vor Ort ergänzt werden.

einzelhandelsstandorte_c-wirtschaftsreport-lkr-harburgUnd: wir brauchen natürlich und immer noch das adäquate Angebot im Bereich des Verbrauchermarkts. Damit auch vor Ort hinreichend der Bedarf des täglichen Konsums gedeckt werden kann und weniger auf Ramelsloh, Buchholz, sonstwohin ausgewichen werden muss. Dass Jesteburg im Handelsbereich ‚unterbelichtet‘ ist, wird bereits in der grafischen Darstellung* deutlich: viel zu klein ist im Verhältnis zu den umliegenden Gemeinden unser Handelssymbol (quasi nicht vorhanden im Vergleich Produktion und Dienstleistung – Letzteres aber sollte sich seit der Erstellung der Übersicht durch die Aktivitäten von AHD geändert haben).

Wenn das passiert (also: das Angebot am Ort wahrgenommen wird), dann hat auch der ergänzende kleinteilige Handel hier bessere Chancen. Deswegen waren beim Vertragsabschluss mit Famila ja auch diverse Kategorien explizit ausgenommen worden (Schreibwaren, Bücher, Optik, …), damit der Ort als Ganzes sein Sortiment erfolgreich präsentieren kann.

Das Thema ‚Förderung des Einzelhandels‘ ist immer wieder auf der Agenda des Wirtschaftsausschusses (WTKA). Ideen und Aktivität sind gefragt. Der Vorschlag, dass Gemeinde, Gewerbekreis und etablierte Jesteburger Firmen junge Unternehmen mit einer neuen Geschäftsidee tatkräftig und finanziell unterstützen, indem sie z.B. für das erste Jahr die Miete übernehmen, lag schon einmal auf dem Tisch – er sollte in der Diskussion eine neue Chance bekommen!

* Zahlen nach Wirtschaftsreport Lkr. Harburg (2010); ** nach CIMA 2014


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