NL#157 – Trauerarbeit.

unbenanntAm 13. November 2016, 15 Jahre nach 9/11 hält unser Bürgermeister Udo Heitmann zum Volkstrauertag eine Ansprache. Und ganz bewusst wird es die gleiche sein, die er bereits 2001 gehalten hat.

Liebe Jesteburgerinnen und Jesteburger, Schützenbrüder und Kameraden von der Feuerwehr, der kleine Hoffnungsschimmer, der uns im Millenniumstaumel für kurze Zeit hoffen ließ, mit dem Übergang in das 21. Jahrhundert hätten wir endgültig ein Jahrtausend der Gewalt, des Terrors und der Kriege hinter uns gelassen, dürfte längst erloschen sein.

Das Gegenteil ist nämlich der Fall!

Weit entfernt sind wir davon, unsere Probleme im gegenseitigen Dialog und ohne Terror und Waffengewalt auszutragen. So lassen wir Jahrhundert für Jahrhundert, Jahrtausend für Jahrtausend verstreichen und stellen dabei schmerzhaft fest, dass wir all der vielen Gräueltaten offenbar nur gedenken können. Weit entfernt scheint die Erkenntnis, dass wir Menschen eben nicht nur „Sammler von schrecklichen Ereignissen“ sind sondern auch „deren Urheber“.

So ist es einerseits das UNVORSTELLBARE, mit dem wir zuletzt am 11. September diesen Jahres konfrontiert wurden andererseits aber gerade auch die HILFLOSIGKEIT, mit der wir in Folge darauf nach Mitteln suchen, um die Menschheit künftig davor bewahren zu können.

Das „Gespenst der weiterwuchernden Gräueltaten“ – das uns Jahr um Jahr aufs Neue diese unzählbaren Opfer beklagen lässt – scheint unbezwingbar.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt – an jene Kinder, Frauen und Männer aller Völker, die durch die Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren – oder die Trauer um die Opfer der Terrortaten, Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, darf nicht bloßer Selbstzweck sein.

Wenn wir den Volkstrauertag zum Anlass nehmen, uns hier am Jesteburger Ehrenmal – wie zur gleichen Zeit an vielen anderer Orten unseres Landes – rückschauend des Leids und des Elends der Vergangenheit zu besinnen, bekunden wir mit dieser Zusammenkunft gleichzeitig unseren gemeinsamen Willen, eine Zukunft frei von Terror und Gewalt gestalten zu wollen. … und lassen wir uns daran messen, wie stark sich dieser so bekundete Wille auch in unserem täglichen Handeln wiederfindet !

Erinnern macht eben nur einen Sinn, wenn uns der Rückblick auf all das Schreckliche der Vergangenheit tatsächlich zur Lehre für die Gegenwart und für die Zukunft wird.

In diesem Sinne wollen wir unseren täglichen Beitrag leisten, damit die „Unendliche Geschichte der Trauer und der Erinnerung“ wirklich GESCHICHTE wird, und damit unsere Kinder und Enkel die reelle Chance bekommen, ihre eigene GESCHICHTE ohne diese unsäglichen – aber eben auch unnötigen – Leiden weiterschreiben zu können.

Liebe Jesteburgerinnen und Jesteburger –  Ist das etwa zu viel verlangt?



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