NL#133 – andere Perspektiven

trecks_45Letzte Donnerstag im Heimathaus. Wieder einmal das Flüchtlingsthema. Aber eben irgendwie anders diesmal. Hans-Jürgen Börner und unsere ehemaliger Archivar Hans-Heinrich Wolfes hatten sich vorgenommen den Bogen größer zu spannen. Die Perspektive zu erweitern von der heutigen Flüchtlingsthematik über die Asylbewerber-Welle in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zu den Flüchtlingstrecks gleich nach dem zweiten Weltkrieg, als auch wir in Jesteburg hunderte von Menschen aus Ostpreußen und Schlesien bei uns aufgenommen haben (wussten Sie, dass wir 1945 in Jesteburg vier Lazarette mit über 300 Soldaten eingerichtet hatten? Dass wir 1992 über 170 Menschen beherbergt hatten, die auf ihr Asylverfahren warteten oder obdachlos waren?- Auch diese Information kam an diesem Abend vom ex-Archivar).

Guten Willens aufgenommen haben wir die Flüchtlinge damals wie heute die Asylbewerber aus dem fernen Osten und aus Afrika. Und wir haben erfolgreich integriert. Aber das haben wir bei der Veranstaltung auch gelernt: Integration dauert; das sieht an an den ‚historischen‘ Beispielen. Wenn Augenzeugen berichten, dass sie (auch sie!) zunächst im Niedersachsen untergebracht waren, sieben Jahre (!) dort gewohnt haben bevor der Umzug in eine eigene Wohnstätte möglich war. Berichtet wurde von gemeinschaftlich genutzten Kochstellen auf dem Flur für mehrere Familien. Und auch von Ausgrenzungen in Schule und öffentlichem Leben haben wir gehört, und vom endgültigen Ankommen und erfolgreicher Etablierung. Und solche Beispiele gibt es dann auch von der Flüchtlingswelle in den 80ern. Und das zeigt auch: wir können das!

Gelungene Integration ist immer auch abhängig von den vor Ort handelnden Menschen, der individuellen Energie und der Haltung der Gemeinschaft.

Den Rahmen für den Abend bildete die Wanderausstellung mit den Portraits von einzelnen Asylbewerbern aus der Aktion, die u.a. auch Hauke Gilbert und Mariam Wehbi initiiert hatten. Aktuell sind diese Portraits noch im Heimathaus zu besichtigen.

Ein Abend, der Mut macht. Dank an Hans-Jürgen Börner für den Impuls und Hans-Heinrich Wolfes für die Berichte und Details!

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