NL#124 – Ist das Kunst? – Oder kann das weg?

hjbHans-Jürgen Börner ist seit 2006 Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur und zieht eine Bilanz der Entwicklung der letzten 10 Jahre:

Zur Kommunalwahl 2006 hatte Siegfried Ziegert die Idee, einen Rhododendron-Park in der Seeve-Niederung zu schaffen, der nicht nur der Erholung der Jesteburger Bürger und der Besucher dienen, sondern auch eine erste Verbindung zwischen der Kunststätte Bossard und dem Dorf schaffen sollte. Bürgermeister Udo Heitmann verfolgte die Idee, die Kunststätte Bossard aus dem Kiekeberg-Museum heraus zu lösen,  selbständig werden zu lassen, „damit Jesteburg mehr davon hat“.

Wenn jährlich bis zu 20.000 Besucher das in Deutschland einmalige Gesamtkunstwerk kommen und es gelingen würde, etliche Kunstinteressierte zu einem Besuch nach Jesteburg zu locken, würde das auch den heimischen Lokalen, der Wirtschaft, dienen.

Die Idee von der Kunst als Wirtschaftsfaktor war geboren. Jetzt, 10 Jahre später, zur Kommunalwahl 2016 wird aller Wahrscheinlichkeit kein Rhododendronpark, sondern ein Kunstpfad, die Verbindung zwischen der Kunststätte Bossard und dem Kunsthaus  Jesteburg, in einem ersten Abschnitt Wirklichkeit werden. Besucher der Kunststätte Bossard  haben dann einen attraktiven Weg zu einer vielfältigen Kunst- und Kulturszene im Dorf.

bossardKunstnetzwerk, Kunstverein Kunstwoche, Naturbühne, Klassik-Scheune, Jesteburger Kammerspiele und das seit 25 Jahren bestehende Jesteburger Podium sind prägnante Beispiele. Die Kunststätte Bossard, seit 2009 unter Leitung von Dr. Gudula Mayr, wird im kommenden Jahr eine Außenstelle in der ehemaligen Sandbarg-Schule beziehen, mit einem neuen Archiv, Ausstellungsräumen und einer Restaurierungswerkstatt.

Jesteburg ist zu einem Kulturort geworden. „Wir sind die Kulturgemeinde im Naturpark Lüneburger Heide und in der Metropolregion Hamburg“, ist ein Kernsatz im Leitbild der Gemeinde Jesteburg, einstimmig verabschiedet 2008 in den strategischen Zielen „Jesteburg 2020“.

Pionierarbeit leistete Karin Klesper von 1996 bis 2012 mit der Kunstwoche Jesteburg. Die Verwandlung Jesteburger Läden und Plätze in eine moderne Kunstgalerie machten unser Dorf  in Deutschland bekannt. Der Verein Kunstwoche bespielte das Kunstcafé Miró, erweiterte es zur modernen Galerie und überzeugte die große Mehrheit des Gemeinderates, dieses Kunsthaus schließlich zu erwerben.

kunsthausIm Kunsthaus Jesteburg hat seit 2012  Isa Maschewski die künstlerische Leitung. Die dort gebotene zeitgenössische Kunst bietet einen Kontrast, einen Spannungsbogen zu dem Gesamtkunstwerk Bossard, der Moderne der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Fragen, die Johann und Jutta Bossard vor 100 Jahren zur Einheit von Kunst und Leben stellten, finden heute im Kunsthaus eine aktuelle Antwort in den dort gezeigten jüngsten Tendenzen und Strömungen der Kunst.

Die Diskussion über den Sinn von Kunst und Kultur gehört zu einer lebendigen Gemeinde dazu. Auch der  Streit über die finanziellen Mittel. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, was die Gemeinde Jesteburg jährlich an Steuermitteln zur Kultur-Förderung ausgibt. Seit diesem Jahr sind 25.000 € jährlich für die Kunststätte Bossard vorgesehen. Etwa 30.000 € kostet jährlich der Unterhalt für das Heimathaus, die Heimatscheune und das Kunsthaus. Künstler aller Gattungen können diese Einrichtungen kostenlos nutzen und sich auf ihr Werk konzentrieren.
heimathausDiese sinnvolle Art der Kunstförderung ist selten und sollte Schule machen. In Jesteburg schauen die Kulturinteressierten mit großer Aufmerksamkeit auf die Veränderungen im Filmmuseum Bendestorf. Dort, im ehemaligen Vox-Klangstudio entsteht ein lebendiges Museum mit einem sanierten Produzentenkino, Ausstellungs- und Arbeitsräumen. Die Samtgemeinde Jesteburg hat mit dem neuen Filmmuseum Bendestorf einen weiteren Kultur-Leuchtturm.

Die Frage „Ist das Kunst- oder kann das weg?“ bleibt in Jesteburg ein schöner Witz. Denn Kunst und Kultur sind nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern machen das Leben bei uns nicht nur lebens-, sondern auch liebenswerter.

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