NL#114 – Ein städtebauliches Überraschungsei (Itzenbüttel!)

itzenbüttel01

„Nachnutzung einer landwirtschaftlichen Hofstelle“ – das ist jetzt kein knalliger Titel für ein eigentlich knalliges Thema – aber so kam das auch – ganz harmlos – als Tagesordnungspunkt auf die Agenda des Bauausschusses am gestrigen Abend.

Bereits im Vorfeld hatte der Inhalt des Antrags bereits für diverse Turbulenzen gesorgt. Denn das Thema ist sozusagen ein städtebauliches Überraschungsei – da sind mehrere Aspekte zusammengepackt:

  1. Die Aussiedlung eines Bauernhofes
  2. Die Gestaltung der so entstehenden Nutzungsfläche
  3. Eine mögliche Zwischennutzung

Die Planung kommt nicht aus dem Gemeinderat, noch war in keinem Gremium dazu diskutiert worden – gestern wollten die Ausschussmitglieder und die interessierte Öffentlichkeit (viele waren da, nicht alle fanden einen Sitzplatz – die Nachfrage der Öffentlichkeit hatten die Ausschussorganisatoren unterschätzt) zunächst mal ein komplettes Bild zur Sachlage bekommen.

Der erste Punkt – die Aussiedlung – ist eher ein ‚handwerkliches‘ Thema für Politik und Verwaltung: der Landwirt will umziehen, dagegen ist nichts zu sagen, wenn das Umzugsziel den Vorgaben des Flächennutzungsplans entspricht. Was aber passiert mit der großen Fläche, die er durch den Umzug freimacht? Das sind immerhin 48.000 qm – also in etwa 7 Fußballspielfelder (in Länderspielgröße).

Fragen, die sich zu den Punkten b) und c) stellen, und die gestern in der Sitzung auch thematisiert wurden:

  • wie wollen die Itzenbüttler selbst Ihren Ort gestaltet wissen? … also: völlig unabhängig von der Option einer möglichen Zwischennutzung.
  • ist ein Heim für jugendliche Asylbewerber in dieser Größenordnung richtig?
  • und ggfs. abhängig von der Größenordnung: ist das Heim dann auch in Itzenbüttel richtig platziert oder sollte das nicht besser z.B. mit einer besseren räumlichen Anbindung zum Forellenhof und seiner Infrastruktur (Werkstätten!) angelegt werden?

Also zu Punkt b) – der Nachnutzung: eine sinnvolle Nachnutzung landwirtschaftlicher Hofflächen ist städtebaulich immer wünschenswert. Wenn das nicht in einer Randlage sondern mitten im Zentrum eines Ortes passiert, dann sollten die Beteiligten – also die, die da wohnen – umfassend mit einbezogen werden. Heute haben wir mit der Ankündigung der Vorstellungen des Projektplaners des Landwirts ja erst die allererste Idee; es mag da noch Alternativen geben!

20160127 bauausschuss(Das Plenum vom Beratungstisch aus gesehen)

 

 

Hitze im Raum wurde spürbar beim Thema der Zwischennutzung: das ist nun sicher ein problematisches Thema (damit kann man letztendlich unterschiedlich umgehen, am Ende kann man eine solche Problemstellung ja evtl. auch bewusst und aktiv annehmen und umsetzen – wenn dann  hinreichend Akzeptanz aufgebaut ist). Das könnte nach unserer Vorstellung zum Bsp. erreicht werden durch viel Information und Diskussion auf einer von Fachleuten begleiteten Veranstaltung (nicht nur auf Facebook ;-)).

Aus dem Publikum war gestern genau dieses Gefühl spürbar: dass nicht die Entscheidung gefragt war sondern alleine durch die massive Präsenz  alle Fragzeichen vermittelt werden sollten.  Und in der Summe war das, sagen wir mal so: keine Einladung für die Umsetzung der Institution im geplanten Umfang.

Und irgendwie hat sich im Verlauf der Diskussion dann auch herausgestellt, dass wir mit vergleichsweise mangelnder Substanz unterwegs sind: es gibt derzeit (noch) keinen Investor, (noch) keinen Betreiber, (noch) kein Konzept – eigentlich nur die Idee und den Landwirt, der Bedarf für – irgendeine – verwertbare Umsetzung für seinen Grund und Boden hat.

Gelernt haben wir dann auch noch Einiges:

  • kurzfristig = 10 Jahre
  • es gibt auch ein Itzenbüttel-Süd (danke, Herr B. für diese Äußerung, das hat die Stimmung spürbar entspannt)
  • klar ist auch: wir (Jesteburger, Itzenbüttler) sind und bleiben beim Thema Asylanten gefordert.

In der Sitzung wurde letztendlich, wen wundert’s, noch nichts entschieden. Die Projektidee wurde zur Kenntnis genommen, wir wollen grundsätzlich die Optionen für die Unterbringung von unbegleiteten Flüchtlingen in der Samtgemeinde prüfen … dazu wird eben noch viel zu sprechen sein – auch und gerade in eine Bürgerversammlung mit der Teilnahme von Fachleuten – das ist eine Selbstverständlichkeit (s.o.).

Wir werden an dieser Stelle weiter zum Thema berichten.

Und sonst? – Haben wir gestern im Bauausschuss noch die Änderung des B-Plans ‚Ginsterkamp‘ inklusive aller Abwägungen abgehandelt („10 Fledermauskästen sind im Rahmen der Baumaßnahme aufzuhängen“), die Überarbeitung der Örtlichen Bauvorschrift für die Gestaltung des Ortskerns der Gemeinde Jesteburg besprochen und einen Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans zur Erstellung von Wohnraum – mit bis zu 30% sozialem Wohnungsbau – diskutiert. Aber da war dann schon kaum mehr Publikum da – mit dem Itzenbüttel-Thema konnte doch Nichts mithalten.

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